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  • 2020resi

Simi - Medizinische Dokumentationsassistentin, Gamerin, Hip-Hop- Tänzerin und...

Vor etwa zwei Jahren hat meine Schwester gemeint, dass Hip-Hop für uns mal einfach eine gute Idee sein würde. Wir starteten den Kurs gemeinsam und ich fand ziemlich schnell heraus, dass ich zwar Spaß dran hatte, es eine großartige Trainerin gab, damit es bei mir besser werden würde, sich aber auch nach Monaten kein verborgenes Talent bei mir sichtbar machen wollte. Echt jetzt: Mein Hirn schaffte es in den letzten zwei Jahren nur sehr selten, auf Anhieb die richtigen Schrittfolgen zu tanzen und dabei auch noch das so genannte “Bouncen” (=typische Körperbewegung beim Hip-Hop) hinzubekommen. Videoaufnahmen zeigen hier deutliche Unterschiede in der tänzerischen Leistung zwischen mir und meiner heutigen Interviewpartnerin! Für Simi, die zu meinem Glück immer in der ersten Reihe stand, so dass ich in jeder Stunde auch immer ein bisschen abgucken konnte, ging es schnell weiter in die Wettbewerbsgruppe. Aber Simi ist nicht nur leidenschaftliche Hip-Hop-Tänzerin, sondern beruflich in der IT und irgendwie auch in der Medizin unterwegs. Spannende Kombination, wie ich meine und deshalb wollte wir sie von ambitious.rocks auch unbedingt interviewen.


ambitious.rocks: Wie heißt Du und wie alt bist Du? (Okay, eigentlich weiß ich das ja, aber der Form halber…😊)

Simi: Ich heiße Simone, werde Simi genannt und bin 37 Jahre alt.

ambitious.rocks: Was machst Du genau im IT-Bereich?

Simi: Ich bin Medizinische Dokumentationsassistentin. Ich bin zuständig für die Kodierung von Krebsmeldungen. Zum Hintergrund: Durch das erste Gesetz für das Epidemiologische Krebsregister in Niedersachsen, das am 16.11.1999 in Kraft trat (Neufassung in 2013), wurden so genannte Krebsregister eingerichtet. Das heißt, die beispielsweise aufgrund dieses Gesetzes von Ärzten zu meldenden Krebsfälle werden verschlüsselt/kodiert in eine Datenbank erfasst. Aus den Daten können dann wichtige Auswertungen - auch zu Forschungszwecken - erfolgen. Für den Job benötigt man teilweise umfangreiches Wissen in den Fachgebieten Medizin, Statistik und Informatik. Das lernt man alles in der Ausbildung. Für Medizinische Dokumentationsassistent:innen gibt es mehrere Einsatzgebiete: Sie werden benötigt in Krankenhäusern, Universitätskliniken und -instituten, Tumorzentren, Forschungsinstituten, Gesundheitsämtern oder der pharmazeutischen Industrie.

ambitious.rocks: Das sind ja einige Einsatzmöglichkeiten!

Simi: Absolut. Und es bedeutet viele Importe und Exporte von verschlüsselten Daten - einfach viel Datenbankarbeit. Ich habe zusätzlich aber auch noch eine Affinität zur Systemadministration und kümmere mich auch gerne mal um Software- und Hardwareprobleme, die bei den Kolleg:innen so anfallen. Ich bestelle auch neue Rechner, installiere Programme etc. Das ist eine schöne Abwechslung und macht mir manchmal mehr Spaß als der eigentliche Doku-Job. 😉

ambitious.rocks: Wie bist Du zu dem IT-Job gekommen? Welche Hobbys oder Interessen sind für Deine Entscheidung wertvoll gewesen?

Simi: Ich glaube, das habe ich von meinem Vater. Er war auch immer in der IT-Branche tätig. Und dass ich irgendeinen Bürojob am Computer machen würde, war wohl schon klar, als ich 12 Jahre alt war. Da habe ich schon immer davor gehockt - vorm PC, Tag für Tag.

ambitious.rocks: So, jetzt mal zwei Fragen auf einmal. Welche Vorkenntnisse waren bzw. sind für Deinen Job wichtig? Ist der Job für Quereinsteiger*innen geeignet?

Simi: Vorkenntnisse braucht man vor der Med-Dok-Assistenz-Ausbildung eigentlich nicht. Ein bisschen medizinisches Vorwissen wäre bestimmt hilfreich, wird aber in der Ausbildung komplett abgedeckt. Gut wäre es, wenn man zumindest die Grundlagen am PC beherrscht: Word, Excel, generelle Windows- Bedienung sollte schon da sein, sonst könnte es etwas anstrengend werden.

Geeignet ist der Job bedingt für Quereinsteiger:innen. Das Medizinwissen muss man sich dann natürlich so aneignen, ist aber für die reine Datenerfassung auf jeden Fall möglich.

ambitious.rocks: Wie sieht Deine Life-Balance aus, wie flexibel ist Dein Job - besteht die Möglichkeit der Telearbeit?

Simi: Wir haben Gleitzeit, ich arbeite Vollzeit, also 40 Stunden die Woche, kann aber Anfang- und Endzeit schieben, solange ich irgendwie auf meine Stunden komme. Das ist schon sehr entspannt bei uns.

ambitious.rocks: Hast Du einen Tipp speziell für Schüler*innen, die vor der Berufswahl stehen und über einen Job in der IT bzw. eine entsprechende Ausbildung, ein Studium nachdenken?

Simi: Ja. Habt keine Angst vor Herausforderungen! Ihr werdet keine Ausbildung finden, bei der ihr das Wissen schon habt. Wenn euch etwas interessiert, probiert es aus! Aber: Zieht es dann auch durch! Gerade an die Mädels gerichtet: Technik-affine Frauen sind noch immer viel zu selten. Tobt euch aus!

ambitious.rocks: Wie sah Dein IT-Unterricht in Deiner Ausbildung aus? War die Ausstattung in Bezug auf Hard- und Software ausreichend?

Simi: Wir hatten wirklich viel EDV-Unterricht. Ich glaube 8 oder 10 Stunden die Woche. Allerdings ist das schon eine Weile her - wir hatten noch nicht einmal Flat-Screens, der ganze Raum stand voll mit dicken Monitoren. Aber: Es reichte. Jeder Schüler/ jede Schülerin hatte einen PC zur Verfügung. Aus heutiger Sicht wirklich retro. Wir haben dann sehr viel Excel gemacht, Access, Word, die eine oder andere Krankenhaussoftware war dabei. Es war generell eher für Einsteiger:innen in der PC-Welt. Ich vermute, heutzutage würde das anders aussehen, weil doch so ziemlich jeder schon einmal einen Laptop bedient haben wird.

ambitious.rocks: “It depends” würde ich jetzt mal darauf antworten. Davon ausgehen kann man auch heute noch nicht. Den meisten reicht ihr Smartphone. Zumindest ist das hier bei uns die Erfahrung. Wie würdest Du versuchen bei Frauen das Interesse an IT-Jobs zu wecken?

Simi: Ich glaube das Problem ist immer noch, dass viele Frauen einfach denken, sie wären nicht geeignet dafür. Das ist natürlich Quatsch. Wer allerdings nicht von Natur aus schon gerne Technik in der Hand hält, für den wäre eine andere Branche vermutlich besser. Dennoch: Es gibts nichts, was wir nicht können. Wir müssen es nur versuchen.

ambitious.rocks: Das ist noch einmal eine schöne Antwort zum Schluss unseres Interviews. Was magst Du uns ansonsten noch über Dich erzählen?

Simi: Ich bin Gamerin. Das bin ich schon seit meiner Kindheit. Dementsprechend Spaß macht mir das ganze Thema Technik einfach. Und ich bastele in meiner Freizeit auch gerne an Computer und Handy herum, repariere kaputte Displays und sowas. Erschreckend viele Leute sind sehr verwirrt, wenn ich sage, dass ich mich auch nach einem 8-Stunden Bürojob abends gerne noch mal freiwillig an den Rechner setze und dass ich es als mein Hobby ansehe. Aber mit genug Sport zum Ausgleich funktioniert das sehr gut. Ich bin gern mal mit Inline-Skates oder auf dem Skateboard unterwegs und Bouldern gehe ich auch. Ach ja, und dann tanze ich ja noch … 😀

ambitious.rocks (lacht): … womit wir wieder beim Hip-Hop wären. So, das waren unsere Fragen! Danke, Simi.

S.

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