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  • 2020resi

Julia: "Musik ist auch nur ein mathematischer Algorithmus,...

... der in Noten codiert und nach definierten Regeln umgesetzt wird."


Julia ist eine liebe Kollegin von mir. Wir haben über ein Jahr zusammen in einem Team gearbeitet.

Das nachstehende Interview haben wir per VideoCall durchgeführt, wobei Julia vorab fast alle Fragen schon beantwortet und dokumentiert hatte. Beim Call sind wir dann so ins Reden gekommen und haben gemeinsam nicht das erste Mal festgestellt, wie wichtig es ist die IT vom Nerd-Image zu befreien und tolle Frauen in der IT sichtbarer zu machen. Genau!


Und deshalb stelle ich euch jetzt eine weitere tolle Frau aus der IT vor: Lest selbst!


ambitious.rocks: Wie heißt Du und wie alt bist Du?

Julia: Ich heiße Julia Gelwert und bin 41 Jahre alt. Ich bin unter meinem Namen bei Facebook und LinkedIn und bei Instagram über JulietteG.68 registriert.

ambitious.rocks: Was machst Du genau im IT-Bereich?

Julia: Ich habe Allgemeine Dokumentation (jetzt heißt der Studiengang Informationsmanagement) zwischen 1999 und 2003 an der FH studiert und einige Jahre später berufsbegleitend einen passenden Master in Informations- und Wissensmanagement (2006-2009) gemacht. Schon in diesen beiden Studiengängen spielte Informatik eine signifikante Rolle - die Verarbeitung von Daten, Informationen und Wissen ist heutzutage ohne digitale Unterstützung undenkbar.

Nach dem Diplomstudium landete ich in der IT-Abteilung der Polizei und verbrachte dort 16 glückliche Jahre, zuerst im Bereich Informationssicherheit und anschließend im Themengebiet ITIL-Betriebsprozesse. Zwar entsprachen diese IT-Jobs nicht komplett meinem Ausbildungsprofil, ich konnte mich jedoch schnell einfuchsen und hatte Spaß an den spannenden Aufgaben. In dieser Zeit habe ich parallel zum Berufsleben zwei weitere Projekte bekommen - meine beiden Töchter (12 und 9 Jahre) 🙂


Julia, die Mama

Vor zwei Jahren habe ich mich beruflich nach neuen Herausforderungen umgeschaut und bin zum ITZBund gewechselt und nenne mich nun IT-Architektin und beschäftige mich mit Migrationsprojekten.

ambitious.rocks: Wie bist Du zu dem IT-Job und vorab zu Deiner Ausbildung in dem Bereich gekommen?

Julia: Ich habe mich ehrlich gesagt nach meinen beiden Lieblings- bzw. Leistungsfächern orientiert: Mathematik und Deutsch. In dem Studiengang Informationsmanagement habe ich die spannende Balance zwischen diesen beiden auf den ersten Blick gegenteiligen Disziplinen gefunden: die Verarbeitung von Informationen/Sprache anhand von Algorithmen.

Nach dem Studium habe ich mich gezielt nach Jobs im öffentlichen Dienst umgeschaut, da ich mir gedacht habe, dass in diesem Sektor Beruf und Familie gut vereinbar sind. So bin ich direkt nach dem Studium bei der Polizei als Sachbearbeiterin Informationssicherheit gelandet und habe Audits nach IT-Grunschutz organisiert und ausgewertet. Nach mehreren Jahren habe ich mich umorientiert und habe mich als Changemanagerin viel mit ITIL-Prozessen beschäftigt. Auch meinen aktuellen Job habe ich einem Zufall zu verdanken, ich habe mich eigentlich für eine andere Stelle beworben und habe den Job in der IT-Architektur angeboten bekommen. Ich musste echt überlegen, ob ich ihn annehme. Mein erster Gedanke war, das kann ich nicht, mein zweiter war, ich probiere es aus. Obwohl ich dabei auch ein Risiko eingegangen bin, in dem ich meinen alten Job gekündigt hatte. Aber, es ist alles gut gegangen für mich stellte der Wechsel eine tolle Chance dar, mich fachlich und beruflich weiterzuentwickeln.

Was ich an IT-Jobs total spannend finde: sie sind sehr vielfältig und ich hatte bisher auch das Glück, mit vielen verschiedenen Charakteren und Menschen zu arbeiten. In diesem Umfeld bleibt immer spannend, es gibt neue Entwicklungen, Ideen, Innovationen und und und!

ambitious.rocks: Welche Hobbys oder Interessen hast Du und sind vielleicht auch für Deine Entscheidung, in die IT zu gehen, wertvoll gewesen?

Julia: Ich spiele Klavier seit 35 Jahren und wollte als Kind Musiklehrerin werden. 🙈 Auch wenn die Musik nicht zu meinem Beruf geworden ist, gibt es einige Parallelen zur IT. Letztendlich ist Musik auch ein mathematischer Algorithmus, der in Noten codiert und nach definierten Regeln umgesetzt wird. 😀

Die Musik half mir schon immer dabei, mein mathematisches Verständnis zu schärfen und das Gedächtnis zu trainieren. Und auch jetzt im Berufsleben kann ich nach einem anstrengenden Arbeitstag beim Musizieren meine Gedanken sortieren oder auch einfach abzuschalten und Energie tanken.

Julia - die Pianistin

ambitious.rocks: Welche Vorkenntnisse waren bzw. sind für Deinen Job, Dein Studium wichtig?

Julia: Eigentlich benötigte man für das Studium keine speziellen Vorkenntnisse, die wichtigsten Inhalte werden von den Basics an beigebracht.

Für den Job in der IT-Architektur ist es sicherlich leichter, wenn man bereits einige Zeit in der IT-Branche gearbeitet hat. Aber auch Quereinsteiger:innen schaffen es mit der richtigen Dosierung aus Neugier und Zielstrebigkeit. 🙂 Ich bin sowieso überzeugt, dass alle Bereiche unseres Lebens mittlerweile durch IT unterstützt werden! Deshalb sollten IT-Inhalte in jede Ausbildung bzw. Studium integriert werden.

Nicht zu vergessen: Vieles spielt sich in der IT-Branche wie auch in anderen Bereichen im zwischenmenschlichen Bereich: Offenheit, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, grundliegende soziale Kompetenzen sind ebenfalls enorm wichtig in diesem Job.

ambitious.rocks: Frage zur Life-Balance: Wie flexibel ist Dein Job?

Julia: Ich bin tatsächlich in der glücklichen Lage, mein Leben mit Hilfe von Gleitzeit und der Möglichkeit des HomeOffice flexibel zu gestalten und Beruf und Familie zu vereinbaren - ich schätze es sehr!


Julia - die IT-Architektin

ambitious.rocks: Hast Du einen Tipp speziell für Schüler:innen, die vor der Berufswahl stehen und über einen Job in der IT bzw. eine entsprechende Ausbildung, ein Studium nachdenken?

Julia: Immer neugierig bleiben, immer wieder über den Tellerrand zu blicken, einfach Dinge ausprobieren, die eigenen Ziele nicht aus dem Blick verlieren oder gar von jemandem ausreden zu lassen und an sich glauben.

ambitious.rocks: Wie sah Dein IT-Unterricht in der Schule aus? War die Ausstattung in Bezug auf Hard- und Software ausreichend?

Julia: Hmmm, so weit ich mich erinnere hatten wir damals in den 90-ern einen Computerraum mit Windows 95? Rechnern und einen Physiklehrer, der nebenbei Informatik in der Oberstufe unterrichtet hat. Oder er hat es auch des Öfteren den pfiffigen Mathe/Physik Leistungsschülern überlassen. 🙂

ambitious.rocks: Gab es während der Schulzeit Lehrer:innen oder Berufsberater:innen, die Dir in Ausbildungsfragen unterstützend zur Seite gestanden haben?

Julia: Damals wurde auf meinem Gymnasium wenig Wert auf Berufsvorbereitung gelegt. Das einzige, was wir gemacht haben, war ein Eignungstest und dessen Auswertung mit einigen Berufsvorschlägen. Allgemeine Dokumentation war tatsächlich dabei! Das habe ich mir bemerkt. Ich war am Ende der 13. Klasse im Arbeitsamt und habe mir Steckbriefe für verschiedene Studiengänge angeschaut. Für Dokumentation und Wirtschaftswissenschaften habe ich mich dann letztendlich beworben.

ambitious.rocks: Was müsste man Deiner Meinung nach ggf. in der Schule, Berufsschule, Universität ändern?

Julia: Ich habe ja zur Zeit zwei Schulkinder und finde, dass die Schulen meiner Meinung nach sich im digitalen Altertum befinden, zumindest die, die ich kenne. Lehrer:innen betreuen im Nebenamt IT! Das geht nicht, kann nicht funktionieren. Schulen sollten über moderne Infrastruktur verfügen, mit Smart Boards ausgestattet sein und IT in den Unterricht integrieren! Und vor allem ausgebildetes Personal in Vollzeit einstellen!

Auch Schüler:innen, die auf den ersten Blick keine Präferenzen zu MINT-Fächern zeigen, können über viele andere Kanäle angesprochen werden - zum Beispiel über die angesagten Influencer:innen und Blogger. Meine Töchter finden Mathematik als Fach und damit verbunden auch IT/Informatik (noch 😆 ) nicht cool, leider. Aber sie kennen nach den Corona-Lockdowns sämtliche Influencer:innen .🙈🙈 Als Social Media Expert:innen haben sicherlich viele von ihnen eine Affinität zu IT. Und wie cool wäre es, wenn eben diese mal eine HomeStory oder ein YouTube Video posten, in denen Jugendlichen gezeigt wird, wie cool unsere Technologien sind und was sie alles Tolles können?

Die Fashion Bloggerin @mascha macht zum Beispiel regelmäßig Stories über Mozilla Firefox und seine Vorteile, super!


Julia - unterwegs

ambitious.rocks: Das sind tolle Ideen, coole Ansätze. Fällt Dir noch etwas ein, was Du zu IT-Jobs bzw. entsprechenden Ausbildungsmöglichkeiten/ zum IT-Studium im Allgemeinen und Besonderen mitteilen möchtest? Z.B.: Wie würdest Du versuchen bei Frauen das Interesse an IT-Jobs zu wecken?

Julia: Vielleicht muss man mehr zeigen, dass tolle Frauen in der IT bereits arbeiten, sichtbarer machen, Jobs in der IT attraktiver zeigen. Leider hat der Bereich IT noch immer ein langweiliges und nerdy Image.

ambitious.rocks: Und deswegen machen wir diese Interviews. Vielleicht gelingt uns darüber aufzuzeigen, wie spannend und wenig nerdy IT-Jobs sein können.

Danke, liebe Julia, für Deine Antworten und vor allem das kritische Auseinandersetzen, was aktuell noch immer in den Schulen los ist.

S.

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