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  • 2020resi

Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen

Eigentlich wollte ich über eine weitere historische Person schreiben, da dachte ich mir, wieso nicht mal etwas anderes. Gibt es nicht spannende Filme, die zu unserem Vorhaben passen? Und ja, gibt es. Ich erinnerte mich an einen Film, den ich schon länger einmal schauen wollte. Ich guckte also in die Auswahl bei Netflix und fand ihn da leider nicht, strauchelte aber sogleich und begann darüber nachzudenken, ob ich nicht stattdessen “Snowden”, “der Mensch <Bill Gates>”, die Serie ‚die IT Crowd‘ oder “Inside Wikileaks” anschauen sollte. Allerdings war ich mehr in der Laune für einen Film über beeindruckende Frauen. Ich schob die Filme allesamt in meine Liste und lud ich mir meinen Wunschfilm: “Hidden Figures – unerkannte Heldinnen” von einer anderen Plattform herunter. “Hidden Figures…”, ein, wie ich meine, herzerwärmender Film nach wahren Begebenheiten.

Der Film handelt von:

Katherine G. Johnson (zuvor Goble), im wahren Leben vielfach ausgezeichnet, unter anderem Ende 2015 mit der Presidential Medal of Freedom für ihre Beiträge zur Berechnung der Flugbahnen für das Mercury-Programm und den ersten bemannten Flug zum Mond im Rahmen der Apollo-11-Mission.

Dorothy Vaughan, eine US-amerikanische Mathematikerin. Sie ist bekannt für ihre Beiträge zur Raumfahrttechnik. Nach der Gründung der NASA blieb Dorothy Vaughan am Langley Research Center. Als die ersten elektronischen Computer die Berechnungen der West Area Computing Unit weitgehend ersetzten, spezialisierte sich Vaughan auf Programmierung, insbesondere die Programmiersprache FORTRAN. Vaughan arbeitete bis zu ihrer Pensionierung 1971 für die NASA.

Mary Winston Jackson, eine US-amerikanische Ingenieurin. Als wissenschaftliche Angestellte der NASA leistete sie wesentliche Beiträge zur Luft- und Raumfahrttechnik. In ihrer Freizeit engagierte sich Mary Jackson für Bildungsprojekte. Sie gründete einen Wissenschafts-Club für Schwarze Jugendliche und wirkte am Bau eines kleinen Windkanals mit, um durch Experimente mit Jugendlichen deren Interesse an der Luftfahrt zu wecken. Im Juni 2020 benannte die NASA ein Gebäude in Washington nach ihr.



Wie es sich für die drei Frauen im Jahr 1961 angefühlt haben muss, in der Zeit als Mathematikerinnen bei der NASA zu arbeiten, kann ich mir kaum mehr vorstellen. Hinzu kommt, dass die drei Frauen afroamerikanischer Herkunft sind, was das ganze möglicherweise nicht einfacher gemacht hat.

Aber nun zum Inhalt: In einer Zeit, in welcher der Wettlauf zwischen den USA und Russland im Weltall die Nachrichten beherrscht, arbeiten die drei Frauen bei der NASA. Zunächst werden Katherine, Dorothy und Mary von ihren männlichen Kollegen belächelt, bis sie schließlich ihre Fähigkeiten als brillante Mathematikerinnen unter Beweis stellen können.

Gleich in der Anfangsszene stockt einem kurz der Atem, als Katherine, Dorothy und Mary im Auto auf dem Weg nach Langley, wo sie in einer Abteilung Berechnungen für die NASA durchführen sollen, eine Panne haben. Ein (weißer) Polizist kommt vorbei und erst als er erfährt, wo die drei arbeiten, ist er etwas freundlicher und geleitet sie schließlich im Konvoy zur Arbeit, damit die Damen nicht zu spät zu erscheinen. Hier kommen auch gleich die unterschiedlichen Charaktere der Frauen gut zum Vorschein. Die eine, die sich recht resolut unter den Wagen legt, um diesen zu reparieren, die andere die auf einen Anhalter hofft und die dritte, die versucht, diplomatisch zu sein und zwischen allen Parteien zu vermitteln. Am Ende der Szene steht ein Lächeln in meinem Gesicht, wie die drei in ihrem Auto in hoher Geschwindigkeit dem Polizisten hinterherfahren und sich die erst angespannte Situation in Wohlgefallen auflöst.

In Langley sitzen sie anfangs in einem Raum mit anderen Afroamerikanerinnen und gehen ihrer Arbeit nach. Schnell wird klar, dass sie mehr können und auch beruflich mehr erreichen wollen. Sie haben es allerdings nicht leicht. Nicht nur aufgrund ihres Geschlechts haben sie es schwer neue Ideen einzubringen. Auch das Erreichen höherer Positionen bei der NASA scheint für sie unerreichbar, dennoch sprühen die Frauen vor Energie, Witz und Charme und prägnanten Sprüchen. Ich wünschte an mancher Stelle, ich hätte einen Funken mehr von dieser Willensstärke in mir.

Der Film zeigt, dass jede von ihnen ein anderes Ziel verfolgt, und mit Ehrgeiz, Geduld und Können kommen sie ihrem Ziel immer ein wenig näher. Dabei stellen sie sich immer wieder Hindernissen, aber am Ende ist jede auf ihre Art und Weise erfolgreich und tatsächlich stehen ihnen an manch ungeahnter Stelle Befürworter:innen zur Seite.

Der Leiter der Space Task Group der NASA, Al Harrison, war einer davon. Er weist im Film auf die historische Bedeutung der Arbeit hin und treibt die Mitarbeiter:innen an besser, intensiver und genauer zu arbeiten, nachdem man im Filmsaal der Forschungseinrichtung die Niederlage im Wettlauf ins All gegen die Sowjetunion verfolgen muss. Al Harrison, wunderbar gespielt von Kevin Costner, möchte nur Ergebnisse. Er möchte etwas erreichen. Für ihn zählt Können und keine Hautfarbe und nicht das Geschlecht. Dies ist schön zu sehen in der Szene, als er mit einem riesigen Hammer, das Schild der Damen Toilette der ‚Farbigen‘ zerstört und dafür sorgt, dass jede Frau jede Toilette nutzen kann. Denn die Frauen fehlten tagtäglich ca. 40 Minuten, da sie quer über den Hof auf ‚ihre’ Toilette rennen mussten, um ihre Notdurft zu verrichten.

Fast ausschließlich wird im Film von der Arbeit berichtet, es geht um Würde und Stolz. Die drei versuchen mit ihrem Wissen kontinuierlich und stet zu beeindrucken. Sie sind überzeugt von ihrem Können, sind manchmal fast penetrant und das dann aber irgendwie auf bescheidene Art und Weise. Sie haben ein Gefühl dafür, wie weit sie gehen können und arbeiten an vorderster Front an einem der wichtigsten Ereignisse der jüngeren Zeitgeschichte mit. Der erste bemannte Raumfahrtflug Amerikas mit Alan Shepard ist schließlich erfolgreich. Bald darauf wird die Erdumkreisung durch John Glenn vorbereitet. Als im Film der US- Astronaut John Glenn vor der Erdumrundung steht (gespielt von Glenn Powell), erhält Katherine mehr Befugnisse und wird ernster genommen, da John Glenn einzig und allein auf ihre Meinung zählt. Der Wettkampf zwischen den USA und der Sowjetunion scheint den Frauen sogar fast in die Karten zu spielen, der Erfolg wird schlussendlich wichtiger als ihr Geschlecht und/oder ihre Hautfarbe.

Katherine ist diejenige, von der auch etwas mehr Privates gezeigt wird. Persönliche Themen werden sonst weiter nicht angeschnitten. Das Thema Raumfahrt wird in dem Film nicht bis ins Detail beleuchtet, aber er gibt einen Einblick.

Im Film steht das Können, der Ehrgeiz und der Wille der drei Hauptprotagonistinnen im Vordergrund. Und für mich steht als Fazit klar, sie haben etwas erreicht, weil sie alle für eine Sache gekämpft haben, alle ein gemeinsames Ziel hatten und als Team alles möglich gemacht haben. Damit sind sie für mich auch eine Inspiration für kommende Generationen, an ihren großen Träumen festzuhalten - und sich nicht aufhalten zu lassen.

Ich bin beeindruckt von den Frauen. Auch wenn hier Hollywood am Werk war, soll sich der Regisseur sehr an die Fakten gehalten haben, und das kann er sich auch ohne weiteres erlauben. Warum? Dieses weibliche Trio hat so Erstaunliches erreicht, dass ihre Geschichte gar keiner weiteren Hollywood-Ausschmückung bedarf.

Die Besetzung ist gut gewählt. Die drei Frauen spielen fantastisch. Taraji P. Henson („Person Of Interest“), Octavia Spencer („The Help“) und


(„The Equalizer“) sind hier einfach eine großartige Besetzung. Jim Parsons („The Big Bang Theory“) spielt ebenfalls einen wichtigen Part. Er ist die rechte Hand von Al Harrison. Als dieser Katherine in sein Team holt, verhält Paul Stafford (Jim Parsons) sich arrogant, scheinbar weil er merkt, dass Katherine ihm überlegen ist.

Dieser Film beruht auf einer wahren Begebenheit. Schade eigentlich, dass man oft nur an die Personen im Raumschiff denkt. Ein Neill Armstrong zum Beispiel ist wahrscheinlich jeder/jedem bekannt, aber man macht sich gar nicht oft genug bewusst, wer da eigentlich im Hintergrund mitarbeitet, denn sind nicht oft die, die im Hintergrund sind die wahren Helden:innen? Unerkannte Heldinnen, sozusagen? 😉


R.

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