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  • 2020resi

Dr. Adele Goldberg: „Frage nicht, ob du etwas kannst, sondern wie es funktioniert.“

Keine Frage, wir brauchen Sekretär:innen, Assistent:innen, Menschen, die die Managementebene unterstützen, Projektteams begleiten, Aufgaben koordinieren und Termine im Blick behalten. Sie sind meiner Meinung nach mit einem nicht unerheblichen Prozentsatz am Erfolg beispielsweise eines Unternehmens, einer Behörde oder eines IT-Vorhabens beteiligt. Und ich kenne einige Frauen, die gehen in diesen Jobs total auf. Aber was ist, wenn diese Personen eigentlich ganz andere Interessen und Talente haben? Was, wenn diese noch andere Fähigkeiten mitbringen, die für die gesamte Menschheit wertvoll wären?

So geschehen bei Dr. Adele Goldberg, einer Mathematikerin und Informatikerin, die zu Beginn ihres beruflichen Werdegangs als Sekretärin bei IBM startete.


Adele wird 1945 in Ohio, Cleveland, USA, geboren und als es um ihre Berufswahl geht, steht für sie aufgrund ihrer Leidenschaft zur Mathematik schnell fest, wie ihre Mutter in diesem Fach unterrichten zu wollen. Sie fängt das Mathematikstudium an und bemerkt dann, dass das Unterrichten so gar nichts für sie ist. Statt nach Alternativen im Bereich der Mathematik direkt zu suchen, fängt sie bei IBM als Sekretärin an und erkennt schnell, dass die Aufstiegschancen für sie in dem Bereich und ohne Studium nicht gegeben sind. Sie nimmt ihr Studium wieder auf und schließt mit einem Bachelor of Arts in Mathematik und einem Master of Science sowie einem Doktorat in Informatik ab.


1973 landet sie in der Forschung - am Xerox Palo Alto Research Center (Xerox Parc). Xerox Parc, das 1970 mit dem Ziel gegründet wird, die Zukunft des Computers zu erforschen, gibt seinen Beschäftigten genau hierfür eine nicht unerhebliche Anzahl an Ressourcen und damit alle Freiheiten, die ein Entwicklerteam sich nur wünschen kann. Hier verfolgt Adele zusammen mit einem Team bald die Idee, dass Computer nicht nur etwas für Geschäftsleute oder Ingenieure sind, sondern, dass u.a. bereits Schulkinder sie kreativ in ihrem Schulalltag nutzen sollten. Das Team entwickelt gemeinsam die Programmiersprache Smalltalk, auf der u.a. auch die Programmiersprache Java aufsetzt. Weiter bauen sie an einer grafischen Benutzeroberfläche, die der heutigen Oberfläche ähnelt, wie wir sie von unseren PCs und Notebooks kennen. Also, grafische Menüs, aufklappbar, für die Suche und zum Filtern geeignet usw. Daraus entsteht auch das so genannte „Dynabook“, das dem iPad von Apple ähnelt: tragbar, einigermaßen intuitiv zu bedienen, einfach da, um Menschen zu vernetzen.


Apropos iPad: Der Erfinder dieses nicht unattraktiven Gerätes, wie ich persönlich meine, Steve Jobs (* 24. Februar 1955; † 5. Oktober 2011) wird 1979 auf Adele aufmerksam und wünscht eine Präsentation ihrer Arbeiten. Adele will ihm allerdings keine ihrer Entwicklungen vorstellen, weil sie vermutet, dass er sich diese Technologien zu eigen machen würde. Sie wird von ihren Vorgesetzten aufgefordert, es doch zu tun. Steve ist total begeistert von der intuitiv erfassbaren Benutzeroberfläche und gerät auch Jahre später noch in verschiedenen Interviews geradezu ins Schwärmen hinsichtlich der zu dem Zeitpunkt neuen grafischen Aufbereitung (GUI = graphical user interface). Statt Buchstaben- und Zahlenkolonnen erscheinen auf dem Bildschirm Grafiken, Symbole und Fenster. Er äußert sich später wie folgt: „Es war offensichtlich, dass künftig alle Computer so funktionieren würden.“

Es entspricht auch genau dem, was Adele in der Zukunft sieht. Den Erfolg fährt allerdings Apple bzw. Steve ein. Tatsächlich nutzt er die Vorstellung der neuen Entwicklungen von Adele - und damit von Xerox - für sein Betriebssystem Apple Lisa (Lisa= Locally Integrated Software Architecture). Wie sich Apple in den letzten 30 Jahren dann weiterentwickelt, muss ich hier nicht großartig beschreiben, der Erfolg der Entwicklungen von Adele und ihrem Team auf den Geräten, die in der Forschungseinrichtung Xerox Parc entstehen und auf denen es zu dem Zeitpunkt auch bereits Interfaces gibt, bleibt aus - vielleicht auch wegen fehlender Vermarktung.


Adele bleibt bis heute im Bereich der Forschung und Wissenschaft tätig:

  • als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Stanford University,

  • von 1984 bis 1986 als Präsidentin der Association for Computing Machinery (ACM), einer Gesellschaft, die im Bereich der Informatik die Teile Forschung und Bildungswesen zusammenbringt, Student:innen und IT-Forschungsprojekte finanziell unterstützt und

  • als Mitgründerin von Neometron, Inc., einem Internetunternehmen in Kalifornien.

Daneben kooperiert sie mit Teams in der Medikamentenentwicklung, wirkt in internationalen Forschungsprogrammen mit und arbeitet an Technologien im Bildungsbereich. Im zuletzt genannten Bereich ist sie dann ab 1995 als Beraterin tätig und entwirft hier unter anderem Systeme für Online-Kurse. Seit 2014 ist sie Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Heidelberger Instituts für Theoretische Studien (HITS). Dort ist sie bis heute als Vize-Vorsitzende aktiv.



Warum fasziniert mich Adele?

Adele hat zum einen früh ihre Leidenschaft für ein Thema entdeckt (die Mathematik) und sieht ihre Berufung darin. Als sie feststellt, dass die Kombination Mathe und Lehre nichts für sie ist, geht sie nach einer kurzen Unterbrechung ihren Interessen dennoch weiter nach und entdeckt hier neue Betätigungsfelder: Die Forschung und Entwicklung. Sie bleibt kreativ und arbeitet im Team. Das finde ich persönlich sehr wichtig, denn so oft werden großartige und gewichtige Dinge erst gemeinsam mit anderen erschaffen und weiter “in die Welt” transportiert.

Es ist für mich beeindruckend, wie sehr Adele und ihre Kolleg:innen die heutigen Benutzeroberflächen unserer PCs, Notebooks und Tablets geprägt haben und eben im Blick hatten, diese Technologien für jeden von uns so einfach wie möglich zugänglich zu machen. Denn, wie wertvoll ist der Einsatz dieser Geräte heute in unserem privaten Umfeld, um wieviel vereinfacht diese Technologie unser Leben und unseren Alltag? Wie wären wir ohne sie durch diese Pandemie gekommen? Und wie wichtig bleibt es, genau den Bereich weiter mitzugestalten: Im Bereich der Schulen, der Medizin, der eigenen elektronischen Identifikationen, hier auch, um selbst Bestimmer:in seiner eigenen persönlichen Daten zu bleiben?

Oder?


S.

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