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  • 2020resi

Brielle Harrison

Und wir wollen weiterschreiben über inspirierende Frauen aus der Welt der IT.

Nach den aktuellen Debatten, ob die deutsche Sprache zu männlich ist, ob das “*” oder der “:” wirklich sein müssen und Teams nicht divers genug aufgestellt sind, muss unsere nächste Person, über die wir schreiben, die Transgender-Frau Brielle Harrison sein.

Brielles Karriere ist beeindruckend und ihr Lebenslauf weist namenhafte Firmen wie Google, Facebook, Netflix und Paypal auf, aber einer ihrer wichtigsten Meilensteine war wohl der, als sie 2015 zur Software-Ingenieurin bei Apple wurde. Hier gehörte sie zu einer kleinen Anzahl von Transgender-Programmierer:innen, die kontinuierlich die Tech-Industrie im Silicon Valley aufgemischt haben. Jetzt aber erst einmal der Reihe nach:

Brielle wird als Mann geboren und hat schon früh den Wunsch, als Frau leben zu können und als solche auch anerkannt zu werden. Sie traut sich dies jedoch erst nach dem Tod des Vaters, mit dem sie nie über ihre Zerrissenheit hinsichtlich ihrer Geschlechtsidentität sprechen konnte. Anders als bei ihm wussten die meisten ihrer privaten Freunde allerdings Bescheid, einschließlich Brielles Ehefrau.

Als Brielle soweit ist ihre Operation zur Frau zu planen, arbeitet sie bei Netflix und in ihrem beruflichen Fokus stehen die eigenen Programmier- und Managementfähigkeiten auszubauen. Kurz vor der Operation verlässt sie Netflix, weil sie sich zum einen wünscht, dass der Start in ihr neues Leben als Frau ebenso mit einem beruflichen Neubeginn einhergeht. Zum anderen kündigt sie ihren Job allerdings auch, weil sie die Reaktionen der Kolleg:innen auf ihre Transformation nicht einschätzen kann, obgleich sie in Interviews immer wieder betont, wie großartig das Unternehmen sei.

Nach Beendigung des Arbeitsverhältnis, unterzieht sie sich den nötigen Operationen und bewirbt sich anschließend erfolgreich als Frau bei Facebook. Hier macht sie als frischgebackene Transgenderfrau positive wie negative Erfahrungen und zieht folgende Schlussfolgerungen daraus: Sie beginnt aufzuzeigen, wie technische Arbeitsplätze Trans-Talente willkommen heißen und halten können.

Brielle erinnert sich: "Auf Facebook habe ich gelernt, ich selbst zu sein. Hier habe ich zum ersten Mal das männliche Privileg verloren. Hier hatte ich aber auch zum ersten Mal meine fünfzehn Minuten Ruhm. Es gab viele großartige und schlechte Dinge, die passiert sind.” Sie fängt an, sich mit der Komplexität der Schaffung eines transgenderfreundlichen Arbeitsplatzes zu befassen und wird Teil eines Teams, das bei der Überprüfung der Benutzeroptionen des Unternehmens zur Identifizierung des Geschlechts behilflich ist. Dieser Prozess führt vor ein paar Jahren zur vielbeachteten Einführung von 58 Geschlechteroptionen, aus denen Benutzer:innen auswählen können. Es ist damit ihr zu verdanken, dass bei Facebook nun diverse Gender-Identitätsmöglichkeiten gegeben sind.

Nach Facebook folgt Apple als weiterer namhafter Arbeitgeber: Brielles Thema ist hier die Einführung von Nichtdiskriminierungsrichtlinien im Unternehmen. Beschäftigte des Unternehmens zu unterstützen, die eine Geschlechtsumwandlung planen, ist für sie der Schlüssel dazu. Sie schafft es, eine neue Aufmerksamkeit in Bezug auf die Vergütung bei Krankentagen, die bei einer solchen Operation anfallen, in einem IT-Unternehmen herzustellen. Eben weil sie hier die Möglichkeit erhält, mit dem Management und Mitarbeiter:innen an diesen Themen weiter zu arbeiten, zählt Apple für sie als bestes Unternehmen, für das sie bisher je gearbeitet hätte.

Brielle bleibt gefragte Ingenieurin, die weiterhin in Schlüsselteams der Branche im Silicon Valley arbeitet, und in einzigartiger Weise, interne Fragen zum Thema Inklusion angeht. Sie arbeitet weiter daran, neue Strategien für die Aufnahme und Bindung von Trans-Talenten und Best Practices in der IT-Welt zu entwickeln.

VentureBeat, eine Technologie-Nachrichtenquelle schreibt, dass Gespräche über technische Vielfalt oft auf den Mangel an Frauen in der Branche hinweisen (eigene Anm.: zu recht!), darüber hinaus aber nicht weitergehen.

Wie gut, dass durch Brielles Arbeit dies genauer beleuchtet wird. Ihre Bemühungen um Vielfalt entstanden aus ihrem eigenen Bestreben heraus, ihr authentisches Selbst zu sein und man sieht, was sie dadurch alles erreicht hat!

Dies zeigt, wie wichtig Diversität auch in der IT ist und wie man sich mit eigenen Vorstellungen in der IT einbringen und in der Branche etwas verändern kann.

Die IT-Welt scheint förmlich auf kreativen, weiblichen Input zu warten 😉


R.





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